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Reiseberichte
Deutschland: Emsland, Nordsee, Ostfriesland - 25.05. - 29.05.2012
Endlich ist es soweit. Nachdem ich diese kurze Tour nun 120 mal umgestrickt habe steht nun endlich der 121. Entwurf in Form einer verlängerten Pfingsttour. Da ich im vergangene Jahr zu gar keiner Tour kam, bin ich froh, dass es überhaupt mal wieder für eine Tour reicht!
Der heutige Tag sollte mit einer Kanu-Tour auf dem Fehntjer Tief beginnen. Leider war der Campingplatz restlos überfüllt. So habe ich mit der Radtour sofort begonnen und die Kanutour nach hinten verlegt.
Es ist außerdem die erste Tour, die ich mit meinem Garmin Edge 605 aufgezeichnet habe. Ich bin schon sehr gespannt, ob dies so meinen Vorstellungen entspricht. Ich habe die Route allerdings mehr auf der Karte geplant, so kann ich spontan meinen Streckenplan ändern. Ich werde die wirklich gefahrene Route dann aufzeichnen. Weitere Infos, Statistiken, etc. findet Ihr auf der Infoseite in der Tourenübersicht.

1. Tag, 25.05. Timmel - Zetel - Dangast: 57 km

Strahlender Sonnenschein und angenehme Temeraturen leiteten das Pfingstwochenende ein. Auch der Wind war nicht all zu heftig und kam zumeist von hinten. So radelte ich zuerst auf der deutschen Fehnroute und später auf der Friesenroute gemütlich bis hinter Ostgroßenfehn parallel zu den kleinen Kanälen. Bildschöne Dörfer begleiteten mich dabei. Auf kleinsten Strassen oder Feldwegen ging es zunächst bis Wiesmoor. In Wiesmoor hat man das radfahren nicht erfunden und auch nicht die Radwege. Ampelanlagen zum überqueren der Bundesstrasse waren auch eher selten, dafür aber um so mehr hektische und agressive Autofahrer.

Gemeinde Großefehn

Irgendwie bin ich dann doch durchgerutscht und gleich nach Wiesmoor wieder von der Bundesstrasse herunter auf eine ruhige Strasse, die sich als Radweg entpuppte. Lediglich der Radweg zwischen Marx und Zetel verläuft teilweise entlang der B437. Überhaupt führen die Radwege in der Regel über weite Felder und Wiesen vorbei am hektischen strassenverkehr.

In Dangast angekommen tobt jedoch gewaltig der Bär. Der Campingplatz ist restlos ausgebucht, lediglich für Zelte ist "noch" reichlich platz. Überhaupt, der typische deutsche Camper feiert Pfingsten am liebsten laut gröhlend im Rudel mit viel Alkohol. Ich hätte es wissen müssen, denn so etwas ist mir bei meiner '99er Radtour am Steinhuder Meer schon einmal passiert. Ich ahne gruseliges...

kleiner Yachthafen in Dangast

2. Tag, 26.05. Dangast - Varel - Dangast: 35 km

Die Nacht war grausam! Sie nahm gar kein Ende, es war mörderlaut. Ich bin so gegen 3.00 Uhr eingeschlafen und um 7.00 Uhr wieder aufgewacht. Vermutlich wird es aber auf den anderen Campingplätzen nicht besser sein. So beschließe ich, noch eine Nacht dran zu hängen. Nun sitze ich nich im alten Kurhaus aus dem 19. Jahrhundert und genieße einen Milchkaffee. Direkt vor meinem Tisch verläuft die alte Promenade. Dangast war um die Jahrhundertwende Anziehungspunkt verschiedener Künstler aus der Künstlergruppe Brücke. Sie wurde 1905 in Dresden von vie Architekturstudenten gegründet und im Jahre 1913 wieder aufgelöst. Währende dieser Zeit waren diese vier Künstler häufig in Dangast und haben sehr viele Motive nachgezeichnet, unter anderem sehr häufig diesen Abschnitt des Dorfes mit dem Kurhaus. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl hier zu sitzen, denn viele der damaligen Kurhäuser und Einrichtungen sind noch weitestgehend im Originalzustand. Ich bilde es mir vermutlich nur ein, aber irgendwie riecht es sogar etwas modrig...

die alte Kurpromenade in Dangast

Nun schwinge ich mich doch auf mein Bike und fahre zum 6 km entfernten Vareler Yachthafen. Der Radweg führt direkt hinter dem Deich entlang. Eine Schleuse trennt das Vareler Tief von der Nordsee. Entlang des Tiefs reihen sich Bistros, Cafes, Restaurants und Kneipen. Kurz vor dem Zentrum biege ich wieder ab in Richtung Dangast. Über einen radweg gelange ich durchs Hinterland wieder nach Dangast um jetzt nocheinmal zum Vareler Yachthafen abzubiegen, vielleicht auf ein Tässchen Kaffee oder ein Radler... Zurück nach Dangast geht es nun wieder auf dem Radweg hinter dem Deich. Es ist übrigens der Nordseeküsten-Radweg.

Vareler Tief

3. Tag, 27.05. Dangast - Carolinensiel: 75 km

Die Nacht war keinesfalls besser, wie die vorige Nacht. Es waren eher noch mehr Zelte hinzu gekommen. Nach wiederum nur drei Stunden Schlaf stehe ich um 7.00 Uhr auf und beeile mich mit dem wegkommen. Ein knappes Früstück, immerhin gibt es Weltmeisterbrötchen, und eine Tasse Kaffee müssen reichen. Auf dem Nordseeküsten-Radweg umrunde ich den Jadebusen und gelange relativ schnell nach Wilhelmshaven, auch dank des Rückenwindes. Am Südstrand stelle ich fest, dass die Brücke zum Stadtzentrum gesperrt ist. Hinweise auf diese Sperrung: fehlanzeige. So muss ich ich das große Hafenbecken zurück umfahren und mich dann durch die Innenstadt zum Nordufer kämpfen. Ein nerfiger Umweg von ca. 10 km und einer Stunde extra biken. Zum Glück kenne ich mich in Wilhelmshaven ein wenig aus, denn die Beschilderung für radfahrer ist so gut wie nicht vorhanden!


Jade-Weser Port

Auf dem Radweg angekommen mache ich bei gutem Rückenwind teilweise 45 km/h. Oft höre ich staunende Worte anderer Freizeitbiker. Ich passiere die nicht enden wollende Baustelle des Jade-Weser Ports fliege durch Hooksiel und möchte schließlich in Horumersiel eine Pause einlegen. Hier ist es jedoch von Touristen so voll, dass mir die Lust vergeht und ich ohne Pause weiter nach Carolinensiel fahre. Ich erinnere mich an einen kleinen ruhigen Campingplatz nicht direkt am Mehr. Bevor ich diesen ansteuere, versorge ich mich im Supermarkt mit Getränken und hier kann ich endlich eine Tasse Kaffee und ein wohl verdientes Stück Erdbeertorte zu mir nehemen.

Naturschutzgebiet hinter'm Deich bei Schillig

Der Campingplatz ist eigentlich ausgebucht, aber der Platzwart findet noch ca. 7 qm Wiese vor einem Schuppen inclusive Schlafgarantie. Dafür zahle ich drei Euro. Damit ist der Tag und vor allem die Nacht gerettet. Eine Dusche macht mich wieder fitt, allerdings merke ich hier zum ersten mal den Sonnenbrund auf der Schädeldecke, den Oberarmen und den Scheckeln. Bei einem nur mittelmäßigen Fischessen lasse ich den Abend so langsam ausklingen und um 21.30 Uhr habe ich bereits das Schäfchen zählen hinter mir.

Museumshafen in Carolinensiel

4. Tag, 28.05. Carolinensiel - Norddeich: 53 km

Wie immer stehe ich um 7.00 auf. Leckere Weltmeisterbrötchen und eine Tasse Kaffee machen micht fit für den Tag. Heute durchquere ich weitere Sielhäfen in der Reihenfolge: Neuharlingersie, Bensersiel, Accumersiel, Neßmersiel. In Accumersiel habe ich 1968 meinen ersten Nordsee-Urlaub mit meinen Eltern verbracht. Das alte Gebäude am Hafen steht immer noch, es verrottet wohl langsam. Zwischen den einzelnen Orten fahre ich durch eine farbenfrohe Landschaft. Die Luft ist salzhaltig und immer wieder muss ich den weidenden Schafen hinter dem Deich ausweichen. Die 53 km habe ich sehr schnell abgefahren. Seit längerem habe ich ein Schleifen am Hinterrad vernommen. Die Bremsbacke kommt irgendwo an die Felge. Jetzt auf dem Campingplatz schaue ich mir die Sache genauer an und stelle mit entsetzen fest: Die Felge schein angebrochen zu sein. Das viele agressieve Bremsen hat das Material abgenutzt und ein Stück Stahl ist aus der Felge gebrochen. So muss ich die morgige letzte und auch längste Etappe mit einem unguten
unguten Gefühl in der Magengegend zurücklegen. Wenn das mal gut geht... Ich überlege, ob ich nicht diese letzten 85 km abkürzen soll, zumal sich das Wetter verschlechtern soll.

Neuharlingersiel

Die Luft ist salzhaltig und immer wieder muss ich den weidenden Schafen hinter dem Deich ausweichen. Die 53 km habe ich sehr schnell abgefahren. Seit längerem habe ich ein Schleifen am Hinterrad vernommen. Die Bremsbacke kommt irgendwo an die Felge. Jetzt auf dem Campingplatz schaue ich mir die Sache genauer an und stelle mit entsetzen fest: Die Felge schein angebrochen zu sein. Das viele agressieve Bremsen hat das Material abgenutzt und ein Stück Stahl ist aus der Felge gebrochen.

Schilderwäldchen

So muss ich die morgige letzte und auch längste Etappe mit einem unguten Gefühl in der Magengegend zurücklegen. Wenn das mal gut geht... Ich überlege, ob ich nicht diese letzten 85 km abkürzen soll, zumal sich das Wetter verschlechtern soll. Hat es bereits. Plötzlich ziehen innerhalb weniger Minuten tiefliegende Nebelschwaden von See heran und man kann stellenweise keine 200 Meter weit mehr schauen. Und mit dem Nebel kommt eine eisige Kälte. Erst zum Abend hin entspannt sich die Lage und plötzlich ist's so, als wäre nie etwas gewesen.

Norddeich

5. Tag, 29.05. Norddeich - Emden - Timmel: 87 km

Das Wetter hat sich nicht so sehr verschlechtert. Ich würde aber Lügen, wenn ich sagen würde, dass es angenehm ist. So fahre ich auf dem Nordseeküsten-Radweg, oder hier auch Störtebekerweg genannt, weiter in Richtung Greetsiel. Am Abend haben sich auf dem Campingplatz doch noch einige Radreisende eingefunden aber es war zu spät um noch ins Gespräch zu kommen. Und heute früh sind alle sehr zeitig abgereist. Ich war um 8.00 Uhr der vorletzte - völlig untypisch für mich, bin ich doch meißt der Erste! Ich beschließe, das Risiko mit dem kaputten Laufrad einzugehen und fahre so die längere Strecke. Ich passiere zuerst das Leybuchtsiel. Hier befindet sich eine von zahlreichen Paddel und Pedalstationen. Kurz darauf erreiche ich Greetsiel. Ein eisiger Wind trotz Sonne sorgt für dümpelnde Stimmung.


Endlich wieder Ruhe in Greetsiel...

In einem Cafe finde ich ein windgeschütztes Eck. Hier hole ich den Kaffee nach, den ich mir auf dem Zeltplatz noch verkniffen habe. Ich halte mich jedoch nicht zu lange auf. Weiter fahre ich auf dem Deichradweg, der sich nun wiederum Friesenroute nennt, über Campen und Knock nach Emden. Das ewig gleiche Landschaftsbild: blühende Wiesen, Schafsherden auf, vor und hinter dem Deich.

Auch in Pilsum ist es eher ruhig...

Eine lange Gerade von ca. 10 km lassen mich bei kräftigem Rückenwind wieder die 40 km/h Marke knacken. Die Radwegbeschilderung in Emden ist bei weitem besser wie die in Wilhelmshaven, aber mit dem Bike durch Großstädte ist nie lustig. Und auch hier verliere ich die Beschilderung aus den Augen und muß irgendwann der Nase zum Museumshafen folgen. Ab hier geht es parallel zur Strasse nach Oldersum. Kurz vor Oldersum durchquere ich noch den kleinen Ort Petkum. Ab hier kann man mit der Fähre über die Ems nach Dietzum setzen und der Dollard-Route folgen. Über geteerte Feldwege, die als ausgeschilderte Radrundtouren dienen, fahre ich entlang des Fehnjer Tiefs zurück nach Timmel. Da ich auf Grund des sich verschlechternden Wetters wohl die Kanutour sausen lasse, konnte ich das Fehntjer Tief wenigstens schon mal vom Bike aus begutachten.

Noch viel ruhiger ist's am Fehntjer Tief!

Erst jetzt, gegen Ende der Tour, stelle ich fest, dass ich in den vergangenen 12 Jahren bereits einige Kilometer des Nordseeküsten-Radweges abgefahren bin. zwischen Burhave und Büsum legte ich im Jahre 2000 gleich 294 km zurück, 2009 waren es zwischen Ditzum und Harlingen ca. 200 km und in diesem Jahr habe ich die Lücke zwischen Burhave und Ditzum mit 198 km bis auf wenige Km gestopft. Lediglich zwischen Burhave und Dangast fehlen noch ca. 70 km.


Weitere Infos zur Tour:

[nach oben] © 04.06.2012, J. Linge
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