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Reiseberichte
Rügen - Bornholm - Usedom - Stettiner Haff - 24.05. bis 30.05.2008
Akribisch, wie immer habe ich mich auch in diesem Jahr auf die anstehende Radtour vorbereitet. Gelernt habe ich aus den Fehlern und Pannen der letztjährigen Tour entlang Dänemarks Südseeinseln und Fünen. In diesem Jahr wollte ich noch weiter östlich radeln, auf der, wie man sagt, schönsten Insel Dänemarks: Bornholm. Passenderweise habe ich mir hierzu den Monat Mai gewählt, da ich zu dieser Jahreszeit immer allerbestes Wetter in Vorpommern angetroffen habe. Ich schlussfolgerte daraus, dass sich dieses gute Wetter auch noch weiter östlich erstrecken würde. Wie recht ich doch mit dieser sehr plumpen Logik haben sollte.
Aber schon im Vorfeld kündigten sich ganz andere Probleme an. Seit Wochen schon klagte ich über übelste Schmerzen ab dem linken Schultergelenk aufwärts bis in den Kopf. Zeitweise konnte ich nicht mehr schlafen, die verschiedensten Antibiotika halfen nicht, bis eine Woche vor Tourstart mein Zahnarzt einen schwer entzündeten Weisheitszahn diagnostizierte der nach Abklingen der Entzündung gezogen werden müsse. Ich pumpte also noch eine Packung Penicillin in mich hinein, nicht zu reden von den Schmerztabletten; das alles in der guten Hoffnung, doch noch einen erfolgreichen Tourenstart hin zu bekommen. Es kam, wie es kommen musste: geschwächt von den vielen Tabletten buchte ich die Fähre Sassnitz – Rønne erst am Abend vor meiner Abfahrt. Immer noch zu früh! Schon zwei Stunden danach plagten mich erneut heftige Zahnschmerzen, die, welche ich in den Griff bekommen zu haben glaubte. So fuhr ich am nächsten Tag eben nicht nach Sassnitz, sondern zum Zahnarzt, der mir noch einmal einen Behandlung verabreichte, die dann jedoch halten sollte. Meine verspätete Abreise hatte natürlich direkte Auswirkungen auf die Tour, denn aus den knappen 10 Tagen wurde jetzt eine noch knappere Woche, denn die Fähre nach Rønne fährt nur an bestimmten Tagen. Ganz zu schweigen von den verpassten Kilometern. Statt der geplanten knappen 600 km waren es am Ende nicht mal mehr 300 km.
Freitag, 23.5.2008
Mein Auto wollte ich auf den mir bereits bekannten Naturcampingplatz in Nipmerow abstellen. Der Platz befindet sich nahe den Kreidefelsen und ist auch als Ausgangspunkt für diese Tour auf Grund seiner nur kurzen Entfernung zum Fährhafen Mukran geeignet. Den Nachmittag verbringe ich damit, die nähere Umgebung mit dem Rad zu erkunden. Lohme, ein ehemaliges kleines Fischerdorf, besticht heute durch viele kleine Cafes und Restaurants. Tollte Ausblicke auf den Hafen und als Ausgangspunkt für eine Wanderung unterhalb
der Felsenküste garantieren einen angenehmen Aufenthalt in dem kleinen Dörfchen. Zum Abend hin gönne ich mir noch eine kleine Tour zur Viktoria-Aussicht. Sie ist nicht ganz so spektakulär, dafür ist jedoch der Eintrittspreis für den Königstuhl sehr spektakulär und das kann ich mir sparen.

Samstag, 24.05.2008 – Nipmerow – Binz – Prora, 52 km
Die erste Etappe zum gemütlichen Einfahren. Es folgt zuerst ein kleiner Besuch in Sassnitz' Fischereihafen. Zu dieser Tageszeit, es ist 9.00 Uhr, ist zum Glück noch nicht viel los, die ersten Ausflugsbusse sind jedoch bereits eingetroffen, die Verkaufsstände auf den Fischerbooten bieten verlockende Fischgerichte an. Ein kleiner Ausflug zum Molenkopf bringt mir eine schöne Aussicht entlang der Kreidefelsenküste. Weiter geht es im Eilflug zum Fährhafen Mukran. Hier erkundige ich mich nach den Einzelheiten der Einschiffung am morgigen Tag.

Aus dem recht bewölkten Vormittag ist mittlerweile ein sonniger Vormittag geworden, jedoch mit einer deftigen Prise Ostwind, der im Laufe des Tages noch entscheidend für meine Tour auffrischen sollte. Doch erst einmal erreiche ich am frühen Nachmittag Binz. Auf der langen Promenade tobt der Bär und ich versuche auf der Strasse weiter voran zu kommen. Bis zur Seebrücke muß ich es schaffen, denn ab hier beginnt der Fährverkehr nach Peenemünde auf der Insel Usedom. Ein Schock, bei diesem Wetter fahren die Ausflugsboote nicht und so stricke ich bereits im Kopf erneut meine Tour um, denn nachdem ich von

Bornholm zurück bin, habe ich genau diese Möglichkeit, schnell nach Usedom zu gelangen, fest in meine Tour eingearbeitet. Mein Gott, wer rechnet denn damit, dass sich diese Nussschalen beim kleinsten Anzeichen von Seegang nicht über Wasser halten. Aber bis zu meiner Rückkehr aus Bornholm sich es ja noch 5 Tage hin. In einer Strandbar (eine kleine Holzbude und einige Strandkörbe) genehmige ich mir noch einen Pott Kaffee, bevor es auf den Campingplatz in Prora zurück geht. Der Zeltplatz ist nur wenige Kilometer vom Hafen entfernt. Etwas nervös machen mich jedoch die vielen Mücken auf dem Platz, vor allem in den windgeschützten Bereichen. Ich könnte mein Zelt auch weiter oben aufschlagen, mit Blick auf die Ostsee, aber bei diesem kräftigen und mittlerweile eisigen Wind ist dies auch keine gute Idee.


Sonntag, 25.05.2008 – Prora – Rønne – Duodde, 42 km
Der Wind hat zum Glück über Nacht wieder etwas nachgelassen, die Überfahrt wird also ruhig. Der Schein trügt jedoch, der Wind ist trotzdem kräftig und vor allem wieder sehr eisig. Auf dem Schiffsdeck bieten sich kaum Möglichkeiten, einen sonnigen und windgeschützten Platz zu ergattern. Aber die Sonne heißt mich auf Bornholm willkommen. Schon von weitem sehe ich die Hafeneinfahrt, die gleich von mehreren Leuchtfeuern bewacht wird. Der Blick auf die Altstadt von Rønne lässt mein Herz höher schlagen. Alte, mit roten Dachpfannen gedeckte Hauser und eine schmucke weiße Kirche zieren die Hafenpromenade. Leider habe ich noch einige Kilometer vor mir und somit nur wenig Zeit für die ersten Schönheiten dieser Insel. Der Radweg führt mich auf den ersten Kilometern durch einen Wald, Ich habe die Hoffnung, dass es so bleibt, doch schon nach wenigen Kilometern ist dieser Traum ausgeträumt. Entlang der Strasse fahre ich in östliche Richtung, begleitet von einem strammen Gegenwind, der es mir nicht gerade leichter macht. Hier merke ich auch zum ersten mal, wie unfit ich noch bin. Die vielen Antibiotika und Penicillin haben Ihre Spuren hinterlassen und ich schwächele schon nach der Hälfte der 30
Kilometer. Hier und dort erhasche ich einen schönen Blick über die Insel, auf das Ufer oder auf eine Sehenswürdigkeit, aber erst in Duodde bin ich wieder nah an der Küste. Ein sauber und gepflegter Familiencampingplatz Möller Camping lädt mich zum Übernachten ein. Nach einer deftigen Linsensuppe mit Würstcheneinlage werfe ich noch einen Blick auf den Strand. Es soll der schönte Strand Dänemarks sein. Der fast weiße, feine Sand wird zum Teil sogar für Sanduhren verwendet.

Montag, 26.05.2008 – Duodde – Arlinge, 55 km
Heute zieht es mich in den nördlichen, bzw. nordwestlichen Teil der Insel. Nachdem sich der Vormittag nicht zwischen Sonne, Wolken und Regen entscheiden kann, ist die Wahl zum Mittag hin auf die eher feuchte Variante gefallen. Es schüttet in strömen und es fällt schwer, die wunderschöne Küste zu genießen. Während im östlichen Bereich der Insel, etwa bis Nexø die Radwege fern ab der Strasse verlaufen und auch die Landschaft hier flunderflach ist, fahre ich weiter nach Norden kommend zunehmend auf
abgelegenen Strassen. Als erstes durchquere ich Snogebæk mit seinen vielen Läden mit Glaskunst, Mode, Restaurants und Cafes. Man kann sich mit Fisch aus der Räucherei versorgen oder Schokoladenbier probieren (igitt!). Nexø ist die zweitgrößte Stadt auf Bornholm, und besitzt den größten Fischereihafen der Insel. Der Fischfang von ganz Bornholm wird hier an die Fisch verarbeitende Industrie geliefert. Darüber hinaus gibt es Werften, Netzknüpfereinen und andere dem Fischfang dienende Dienstleister. Gemütlich geht es in der Innenstadt zu. Einige Highlights, wie zum Beispiel eine Ansammlung von Bautasteinen, lasse ich links liegen um schneller voran zu kommen. Lediglich der Leuchtturm in Svaneke lädt mich zum verweilen ein. Svaneke ist die östlichste Stadt der Insel. Die kleinen auf Fels gebauten Fachwerkhäuser liegen unterschiedlich hoch. Ein Spaziergang durch die schmalen Gassen lohnt sich, um sich Glas-, Keramik-, und Antiquitätenläden anzuschauen. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet noch nicht. So statte ich dem Leuchtturm einen Besuch ab. Gerade noch rechtzeitig, denn als ich den Hafen erreiche, beginnt der Dauerregen. Zwischen Svaneke und Allinge gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten:

Gudhjelm ist ein altes Fischerdorf. Die Häuser mit ihren roten Dächern flankieren steile Gassen. Auch hier gibt es zahlreiche kleine Geschäfte. Vom Hafen kann man Schifftouren nach Christiansø unternehmen oder zu den Helligdomsklipperne, einem Naturgebiet fahren. Dieses passiert man bei der weiteren Radtour aber sowieso. Es folgen weitere Orte wie Tejn und Sandkås. Die beiden Orte sind im Laufe der Jahre zusammengewachsen und wie der Name Sandkås schon sagt, findet man hier vor allem viele kleien Strände. Kurz vor dem Ort Tejn kann man noch zwei große Bautasteine bewundern. Völlig durchnässt erreiche ich Arlinge. Gerade zum Zeltaufbauen macht der Regen eine Pause – die einzige am heutigen Tag. Der Ort, vor allem der Hafenbereich mit seinen Granitmauern erinnert mich an die kleinen bretonischen, normannischen oder auch englischen Hafenstädtchen. Dazu zieren bunte, vor allem gelbe Häuser den Hafen. Die alten Häuser und Gassen liegen malerisch auf den Felsen am Hafen. Im Sommer wimmelt es hier nur so von Leben. Es gibt jede Menge Läden, Cafes und Restaurants. Die Räucherei liegt malerisch ander Felsenküste und man kann den herlichen Ausblick auf der Terasse bei einem leckeren Fischessen genießen.
Ich lasse mich überraschen, ob ich dies auch noch bei schönem Wetter sehen kann. Zum Abend hin ist auch der Innenbereich meines Zeltes klamm und feucht. Ich koche in der Gesellschaft einiger Schulklassen im Küchenraum des Zeltplatzes. Die dänischen Campingplatze haben alle einen Koch- und Ess/Aufenthaltsbereich. So kann man sich das eigene Campinggas sparen und man muß auch nicht auf dem Boden oder im Zelt improvisieren. Mein heutiges Menue: Eine Reispfanne mit Geschnetzeltem, hmmm, lecker.

Dienstag, 27.05.08 – Rundfahrt Arlinge, 19 km, Schiffstour Christiansø, Frederiksø
Das neue Zelt hat die Bewährungsprobe bestanden. Nachts um 1 Uhr hat der Dauerregen endlich aufgehört. Heute morgen erwartet mich ein strahlend blauer Himmel. Zuerst entrümple ich mein Zelt, die Feuchtigkeit muss raus, eine nahe Hecke, die bereits von der früh scheinenden Sonne getrocknet ist dient mir als Ablage für Kleidung etc. Während ich frühstücke, jage ich noch schnell einige Kleidungsstücke durch die Waschmaschine, ein Trockner besorgt den Rest. Es folgt endlich die ersehnte Rundfahrt um den nördlichen Teil der Insel. Und natürlich brauche ich bei diesem Wetter die Schiffstour zu den beiden östlichsten Inseln Dänemarks auch nicht in Frage zu stellen.


Meine Tour führt mich zunächst nach Hammeren. Dieser nördlichste Punkt der Insel ist sehr naturbelassen. Flacher Heidebewuchs und einige lichte Wäldchen prägen das Landschaftsbild. Auf dem höchsten Punkt der Landspitze Hammeren befindet sich der Leuchtturm Hammeren Fyr. Auf der Rückfahrt durchquere ich wieder den kleinen Badeort Sandvig. Vorbei an einer kleinen Badebucht gelange ich auf einem Fußweg zur äußersten Spitze der Insel, wo sich der weiße Leuchtturm Hammerodder Fyr kontrastreich vom blauen Himmel und der farbenprächtigen Natur abhebt.

Bornholm ist eine Felseninsel und somit von Klippen und Riffs umgeben, die bei schlechtem Wetter die Schiffe in diesem Gewässer oft in Gefahr gebracht haben. Somit wurde bereits sehr früh über den Bau eines Leuchtturms nachgedacht. 1802 wurde zum ersten Mal ein Leuchtturm auf Bornholm erwähnt, es war ein geschlossenes Kohlenfeuer auf einem achteckigen Turm. Er befand sich an der Stelle, wo heute der Leuchtturm Hammeren Fyr steht, welcher jedoch seit 1990 nicht mehr in Betrieb ist.


Es ist noch ein wenig Zeit und somit mache ich mich auf den Weg zur Nordwestseite der Insel, genauer gesagt nach Hammeren Havn. Dieser kleine naturbelassene Fischer- und Yachthafen liegt romantisch in der Sæne-Bucht. Die kleinen Piknick-Tische und Bänke laden zum längeren Verweilen und träumen ein. Und ein kleiner Kiosk sorgt für die nötige Verpflegung. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen blicke ich verträumt über den Hafen direkt auf die über der Küste tronenden Burgruine Hammerhus.
Die Zeit drängt, denn ich muß noch einen Fahrkarte für die Schifftour nach Christiansø kaufen. Ich denke, dass bei diesem Wetter auch andere Ausflügler auf die Idee kommen könnten, nach Christiansø zu fahren. "Ertholmene" – die Erbseninseln nennt man die Inselgruppe auch. Auf der Insel leben nur wenige Menschen Es gibt einen Kaufmann, ein Restaurant und diverse Unterkunftsmöglichkeiten. Sowohl die Insel als auch die darauf befindliche Festungsanlage steht unter Naturschutz, bzw. Denkmalschutz. Die Inselgruppe besteht im wesentlichen aus drei Inseln, Christiansø, Frederiksø und Græsholmen, der Grasinsel. Auf der Insel leben eine Vielzahl an Vögeln.

Die Insel Græsholmen ist ein wissenschaftliches Vogelreservat und steht unter Naturschutz. Die beiden Hauptinseln sind durch eine Brücke miteinander verbunden. Zwischen den beiden Inseln ist ein kleiner Naturhafen entstanden. Hier liegen einige Fischerboote, Yachten und hier legt auch das Ausflugsschiff an. Einladende Wanderwege führen quer über die kleinen Inseln. Gerade im Frühling trifft man hier auf eine üppige Vegetation. Auf dem großen Turm St. Tårn befindet sich der Leuchtturm und das Museum. Der Leuchtturm kann in den Sommermonaten besichtigt werden.
Nachdem man die kleinere Insel Frederiksø betreten hat, die man über eine Brücke, die den kleinen Naturhafen überspannt, erreicht, gelangt man direkt in die kleine Fischerhaus-Siedlung. Einen Besuch ist auch das Museum Lilletårn wert. In den Turm ist unter anderem eine Ausstellung über die Fischerei der Insel untergebracht. Außerdem erfährt man einiges über die Natur und Kultur der Insel.
Ich genieße die letzten Minuten auf der Insel bei einer Kanne Kaffee in der Gastwirtschaft. Ein wenig mulmig ist’s mir, da die Hinfahrt doch sehr schaukelig war. Aus dem Anfangs fröhlichen Gejauchze der Wellen wegen kehrte bereits
nach wenigen Minuten eine trügerische Ruhe und Beklommenheit ein. Um das Schaukeln nicht all zu sehr warhr zu nehmen, versteckte ich mich krampfhaft hinter meiner Lektüre über die Insel und las einige Abschnitte sogar doppelt. So musste ich nicht das gleiche Schicksal wie all die vielen Schulkinder und Erwachsenen erleiden, der sogenannten Seekrankheit, welche häufig mit üblen Brechreizen seltsamen Lauten und eigenartiger Gesichtsfarbe einhergeht. Wir alle hatten auf der Rüchfahrt Glück, denn der Wind kam nun von hinten und das kleine Boot schaukelte kaum. So geht ein ereignisreicher Tag dem Ende zu, jedoch nicht, ohne noch einmal die Küche auf dem Campingplatz auszunutzen. Im Supermarkt am Hafen habe ich mir einige Hähnchenfilets organisiert, die ich geschnetzelt zu einem chinesischem Menue mit Reis (davon hab' ich so viel) in einer kräftigen Sauce anrichte.

28.05.2008 – Arlinge – Rønne, 34 km
Auch heute hat mich das Wetter nicht im Stich gelassen. Aber die Nacht war feucht und so habe ich das Zelt erst einmal für eine halbe Stunde zum abtrocknen in die Sonne gestellt.
Auf meinem Weg nach Rønne liegt heute Hammerhus, wie bereits erwähnt, eine riesige Burgruine, die direkt an den Rand der hohen Felsen an der Nordwestküste gebaut wurde. Es ist die größte Burgruine Nordeuropas. Die Ursprünge der Burg sind nicht bekannt. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahre 1260. Die Burg war das Machtzentrum von Bornholm. Von 1526 bis 1576 hatten die Lübecker die Insel und Hammerhus als Pfand. Ab den ca. 1600 war Bornholm immer wieder von den Schweden besetzt und Hammerhus verlor an Bedeutung. Es wurde als Kaserne und Gefängnis genutzt. 1743 wurde die Burg aufgegeben und Baumaterial wurde abgetragen. 1822 wurde Hammerhus unter Denkmalschutz gestellt.Hammerhus liegt nur wenige Kilometer von Arlinge entfernt, so konnte ich die Burg bereits von Hammerhavn aus in einiger Entfernung bestaunen. Aber erst, wenn man sich nahe bei oder innerhalb der Burgruine befindet, erkennt man die gewaltigen Ausmaße der Anlage. Von den Festungsmauern hat man in alle Richtungen spektakuläre Ausblicke und bei gutem Wetter kann man am Horizont bereits die Küstenlinie Schwedens ausmachen.

Auf der wenig befahrenen Strasse fahre ich noch ca. 2 Kilometer, bevor ich diese verlasse und auf einer gut befestigten Wald-/Schotterpiste weiterfahre. Bis zum kleinen Örtchen Vang habe ich nun keine Autos mehr zu befürchten, dafür aber geht es mächtig Berg auf und Berg ab. Und auch, nachdem ich Vang passiert habe, geht die Achterbahnfahrt weiter. Erst ab Jons Kapel, beruhigt sich die Sachlage wieder. Zu Beginn des kleinen Wanderweges zu der Sehenswürdigkeit sind einige Souvenierläden aufgestellt. Ich nutze die Gelegenheit und genehmige mir einen sehr preiswerten Kaffee.
Nur wenige hundert Meter hinter Jons Kapel gelange ich über eine steile und gefährliche, 20%ige Abfahrt wieder hinunter ans Ufer der Ostsee. Der Radweg führt nun einige Kilometer direkt am Ufer entlang. Entspannt beobachte ich während der Fahrt einige Fischerboote und die verschiedensten Seevögel, die auf Nahrungssuche über dem Wasser kreisen. So gelange ich schließlich in den kleinen Ort Hasle. Die meißten der wenigen kleinen Fischerboote scheinen alle auf See zu sein, der Yachthafen ist um so voller. Der kleine Stadtkern besitzt sogar eine winzige Fußgängerzone. Lohnenswert ist ein Besuch in der Räucherei. Es riecht bereits einladend.
Aber auch hier reizt es mich heute nicht, länger zu verweilen, ich möchte mein Ziel Rønne frühzeitig erreichen. Kurz hinter Hasle biegt der Radweg in den Forst Blykobbe Plantage. Der Waldweg verläuft nur wenige Meter hinter dem Ufer. Immer wieder gelange ich über kleine Stichstrassen zu kleinen Strandabschnitten. Den Weg verlasse ich erst wieder, als ich den Campingplatz in Rønne erreiche. Ich fahre jedoch gleich durch, um zu schauen, wie lange ich wohl vom Campingplatz bis zur Fähre brauche, denn am morgigen Donnerstag muß ich bereits um 7.00 Uhr am Fährterminal sein. Die wenigen Kilometer bergab bewältige ich in 5 Minuten. Weitaus strapaziöser ist der Rückweg zum Campingplatz. Das Zelt kurz aufgebaut, die Rechnung für die Übernachtung habe ich vorab beglichen, geht es auf einen kleinen Stadtbummel. Rønne ist eine typische dänische Kleinstadt mit vielen kleinen Geschäften und einem pulsierenden Leben. Ich gönne mir ein Softeis mit Schokostreuseln. Und ich fülle meinen Proviant ein wenig auf. Nachdem ich mir in den vergangen Tagen etwas mehr Arbeit mit dem Essen gemacht habe, die Campingplatzeigene Küche immer gut ausnutzend, begnüge ich mich heute mal mit Spaghetti a la Pasta Genovese.
Aber vorher genieße ich noch ein wenig Sonne am wunderschönen langen Sandstrand direkt unterhalb des Campingplatzes. Auch dieser Campingplatz ist sehr gut eingerichtet. Die Koch- und Aufenthaltsmöglichkeiten sind sehr großzügig ausgelegt. Sogar das Kochgeschirr ist vorhanden.
Trotzdem mache ich mir wieder Gedanken über den morgigen Tag, denn wenn das kleine Ausflugsboot immer noch nicht von Binz nach Peenemünde fährt, ist meine Radtour erst einmal vorzeitig beendet.

29.05.2008, Rønne – Sassnitz - Nipmerow, 20 km
Nicht ganz fahrplanmäßig legt die Fähre „Hammerodde“ in Rønne ab. Die Überfahrt ist wiederum sehr ruhig, der Wind kommt immer noch aus nordöstlicher Richtung, ist aber nicht mehr so störend, da er nun von hinten kommt. In Sassnitz angekommen, erfahre ich bei einem Telefonat mit der Adler-Reederei, dass immer noch keine Fährverbindung zwischen Peenemünde und Binz besteht. So beschließe ich, zurück zum Campingplatz nach Nipmerow zu fahren und die Insel Usedom mit dem Auto zu erreichen. Geplant ist dann für den morgigen Tag noch eine Radtour ins polnische Swinemünde. Ein riesiger, ca. 4 Kilometer langer Campingplatz erwartet mich in Ückerlitz, nur durch einen schmalen Waldstreifen von der Ostsee getrennt. In regelmäßigen Abständen befinden sich kleine Snak-Bars aber auch zwei Lebensmittelgeschäfte.

30.05.2008, Ückerlitz – Swinemünde – Ückerlitz, 51 km
Nach einem wirklich deftigen Frühstück, 5 Brötchen, mache ich mich zeitig auf den Weg. Nach einer bergigen Fahrt auf dem Ostsee Radweg, der mich durch einen Wald leitet, fahre ich nach wenigen Kilometern nacheinander durch die drei Seebäder Bansin, Heringsdorf und Aalbeck. Die mondänen alten Hotels und Pensionen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert werden mittlerweile von unzähligen neuen Hotels umringt. Ich finde, dass vom frühen Charme dieser Badeorte nicht mehr viel übrig geblieben ist, vor allen dann nicht, wenn sich die unzähligen Touristen auf die Füße treten.
Kurz hinter Aalbeck verschlechtert sich der Radweg zusehends. Aus dem asphaltierten Weg ist ein unbefestigter Walsweg geworden, auf dem man Betonplatten hintereinander gelegt hat. Ich merke, dass die polnische Grenze nun nicht mehr weit ist. Im direkten Grenzgebiet kann ich mein Rad nur noch über eine Sandpiste schieben. Wenige Meter hinter der Grenze gelange ich auf eine Strasse, die sich gabelt. Ich hätte geradeaus fahren müssen – stelle ich auf dem Rückweg fest. So aber gelange ich auf umständlichem Wege, dafür aber immerhin Radweg, durch die Innenstadt Swinemündes und somit direkt

ans Uferbecken der Swine. Obwohl das Stadtbild sehr westlich orientiert ist und ich nur an der Sprache und der Schrift erkenne, dass es Polen ist, habe ich ein merkwürdig flaues Gefühl in der Magengegend. Nahe der Auto- und Personenfähe, die mich nach Wollin hinüber bringen könnte, fahre ich die Swine flussabwärts zur Mündung.


Überraschend befinde ich mich plötzlich wieder auf dem Radweg R10, der mich direkt zum Strand bringt. Ein unendlich langer Sandstrand reicht von der Mole in westliche Richtung nach Usedom. Auf der Mole befindet sich das schneeweiße Mühlenfeuer. Ganz nahe ist man den großen Fährschiffen an dieser Stelle, wenn sie durch die recht schmale Einfahrt in Swinemündung einlaufen. Ich fahre durch den Wald ein Stück zurück, denn vom Ufer der Swine ist der gegenüberliegende Fährhafen sehr gut zu sehen. Beeindruckend steht der gewaltige Leuchtturm hinter zwei riesigen Lastenkränen. Auf dem R10 trete ich nun frühzeitig den Rückweg an. Entlang einer riesigen Hotel- und Freizeitanlage geht es zurück und ich komme schließlich an der Stelle heraus, wo ich mir zu Beginn meiner ersten "Polen-Mission" über die Richtung nicht schlüssig war. Ruhig lasse ich den Tag in Ückerlitz ausklingen. Auch heute ist bei heftigem Nordost-Wind nicht an einen Strandaufenthalt zu denken. Stattdessen erkunde ich noch ein wenig das Innere der Insel. Ückerlitz besitzt einen kleinen Hafen am Haff. Ab hier kann man kleine Bootsausflüge machen. Viele kleine Cafes, Restaurants und Unterkünfte zieren zudem das Bild des kleinen Städtchens. Aber natürlich zieht es mich immer wieder zur Ostsee.


Infos zu Bornholm:
Infos zu Usedom und Polen:
  • Ausflüge über's Oderhaff: Reederei Peters
  • Ausflüge zur Greifswalder Oie und Insel Ruden: Schifffahrt Usedom
  • Fahrten nach Rügen, Swinemünde, Misdroy u. Kolberg: Adler Schiffe
    (mit Anschlussfahrten von Swinemünde nach Stettin)
[nach oben] © Juli 2008, J. Linge
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