Süd Frankreich, Provence - 06.06. - 26.06.1997
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10. Tag, 16.06. Les Salles/Verdon - Greoux les Bains: 62 km
Wie ich es bereits weise vorausgesagt habe: eine Etappe, die es wieder einmal in sich hatte. Die ersten 30 Kilometer führen mich durch die Ausläufer der Verdon-Schlucht, wobei das Gelände zum Glück immer weiter abfällt. Auf einer wirklich wenig befahrenen Straße durchquere ich die Orte Quinson und Allemagne-en-Provence, bevor es durch wunderschöne und einsame Landstriche mit einer langen Abfahrt direkt ins Zentrum von Greoux geht. Greoux besitzt eine sehenswerte Altstadt oder besser Innenstadt. Cafes und kleine Lädchen schmücken links und rechts die engen Gassen. Aber auch hier merkt man wie bereits vorher in Digne, dass man sich in einem "Bad" befindet. Bevorzugt trifft man auf ältere Menschen, bevorzugt Franzosen, nur wenige Touristen. Selbst der Zeltplatz, ein wenig außerhalb am Verdon-Ufer gelegen, ist fast ausschließlich von Einheimischen bevölkert.
Roussillon

Roussillon
Zur Abwechslung wird heute Abend mal wieder selber gekocht; Hackfleisch mit Reis, wen es interessiert. Vorsorglich habe ich etwas mehr eingekauft, da morgen ein Feiertag ist. Ich weiß nur noch nicht wohin mit all den Getränken!

11. Tag, 17.06. Greoux les Bains - Roussillon: 70 km
Gleich die ersten 10 Kilometer in Richtung Manosque gehen so richtig gut los. Und hinter Manosque gesellen sich noch weiter 8 Kilometer dazu. Zum gerechten Ausgleich habe ich auf der anschließenden Abfahrt so viel Gegenwind, dass ich in die Pedalen treten muß. Auf der weiteren ebenen Strecke durchquere ich auf der alten N 100 noch Apt. Sehenswert ist hier unter anderem eine Kathedrale aus dem 12.-14. Jh. Nur wenige Kilometer später folgt dann der Abzweig nach Roussillon. Die Stadt wurde durch die nahegelegenen Ockerfelsen bekannt. Und davon scheint der größte Teil der Bevölkerung zu leben. Roussillon ist eine sehr saubere Stadt. Restaurants, Bars, Souvenier- und Kunstläden säumen den Stadtkern mit den vielen engen Gassen. Bemerkenswert, dass alle, so scheint mir, Häuser aus Ockergestein gebaut sind. Gleich zu Beginn des Ortes kann man den wohl schönsten Steinbruch besichtigen. In der tiefstehenden Abendsonne geben die Felsen markante Lichtspiele und Muster ab.
12. Tag, 18.06. Roussillon - Fontvieille: 70 km
Zitat aus dem Tagebuch: "keine lange Rede und kein langer Text, ich glaube mich hat die Grippe kalt gestellt. Husten und Schnupfen, dazu Halsweh und meine Knochen erst mal... und dazu unzählige Mosquitos - ja da merkt man, dass man sich der Camargue nähert."
Ich habe von dieser Etappe und diesem Ort wirklich nicht viel mitbekommen. Die Strecke führte mich unter anderem durch St. Remy wo man antike Römerausgrabungen bewundern kann.

13. Tag, 19.06. Fontvieille - Les Stes. Maries de la mer: 53 km
Es geht schon wieder bergauf. Ich weiß nicht mehr, wie viele Tempos ich verbraucht und Mosquitos totgeschlagen habe aber heute morgen war alles wie weggeblasen außer den Mosquitos. Die wurden noch mehr, denn leider regnete es bei leicht schwüler Luft in einem Sumpfgebiet... so schnell habe ich mein Zelt noch nie abgebaut. Pünktlich zum verspäteten Etappenstart hörte es dann doch noch auf und sogar die Luft wurde angenehm.
Rhôneufer in Arles
Sogar in der Camargue, die bekannt für den sogenannten Mistral ist - unter Fahrradfahrern auch Gegenwind genannt - hatte ich dieses Mal Rückenwind. Ich flog förmlich durch Arles und den Rest der Camargue. Die folgenden etwa 32 Kilometer, ich bin sie bestimmt schon 20 Mal vorher gefahren, sind immer wieder beeindruckend. Von Arles kommend fahre ich auf der D 570 über Albaron nach Pioch Badet um von dort auf die weniger befahrene und mittlerweile auch gut ausgebaute D 85 abzubiegen. Zwischen kleineren Seen tauchen immer wieder große Reisfelder auf. Links von mir erstreckt sich bereits der Nationalpark mit dem größten der Seen, dem "Etang de Vaccarés".

14. und 15. Tag, 20.06. - 21.06. Les Stes. Maries de la mer
Ab jetzt heißt es erst einmal Pauuuse! Ich werde mich für eine knappe Woche hier aufhalten, einige Tagesausflüge machen und ein paar Tage nur mal in der Sonne faullenzen. Und schon heute haben es die Sonnengötter gut mit mir gemeint. Bestes Strandwetter - das habe ich mir nach den letzten beiden Tagen auch verdient.
Links und rechts des Ortes befindet sich jeweils ein Strandabschnitt, wovon der östliche Abschnitt sicherlich der wesentlich reizvollere ist, da er vor allem etwa 12 Kilometer lang ist. dazu kommt, daß der Strandabschnitt um diese Jahreszeit noch sehr leer ist. Am folgenden Tag hat sich das Wetter wieder verschlechtert. Es ist stürmisch und von der Sonne findet sich keine Spur.
Les Stes. Maries de la Mer
Zeit also für eine Wanderung in die Camargue. Entlang des Strandes oder aber auf der "Digue à la mer", einem etwas höher aufgeschütteten Weg zwischen dem Meer und dem Naturschutzgebiet kann man in östliche Richtung wandern, soweit das Auge reicht. Folgt man dem Weg, so gelangt man nach etwa 7 Kilometern zum "Phare de la Gacholle". Hier befindet man sich bereits mitten im Schutzgebiet. Um diese Jahreszeit trifft man besonders häufig auf Flamingos die sich allerdings meistens in den etwas weiter entfernten Seen der Camargue aufhalten, sinnvoll wäre hier mit Sicherheit ein Fernglas oder eine Kamera mit einem guten Teleobjektiv.
Aber nicht nur Flamingos, sondern die seltsamsten Vogelarten findet man hier. Aber am beindruckendsten ist die Ruhe, wenn man außer dem Wind, dem Meer und den verschiedenen Tiergeräuschen nichts anderes mehr hört.

16. Tag, 22.06. Rundtour Les Stes. Maries - Le Grau du Roi - Les Stes. Maries: 86 km
Ja, dieser Tag begann noch finsterer wie der vorherige. Zum Glück fing es erst nach dem Frühstück an zu regnen. Ich machte mich trotzdem auf den Weg, dieses Mal in westlicher Richtung über die D38 entlang der "Petit Rhône" nach Aigues Mortes. Nach etwa 7 Kilometern löste sich schon einmal der Nebel auf. Die Straße ab Montcalm ist wenig berauschend, dafür aber viel befahren. In Aigues Mortes, zu deutsch die "Toten Wasser" hörte es plötzlich ganz auf zu regnen und so langsam kam die Sonne durch. Abgesehen davon, dass die Stadt wunderschön ist, viele Sehenswürdigkeiten und vor allem eine vollständig erhaltene Stadtmauer besitzt, ist Aigues Mortes eine Touristenhochburg sogar um diese Jahreszeit schon. Kitschläden reihen sich in den engen Gassen aneinander und an ein Durchkommen ist vor lauter Touristen nicht zu denken. So genemige ich mir in einem Cafe mitten auf dem alten Marktplatz einen schnellen Café au lait und schwinge mich anschließend wieder auf mein Radel um ins nahe gelegene Le Grau du Roi zu fahren. Oh Schreck, hier tobt der Bär erst richtig! Die Hotels stehen zwar größtenteils noch leer aber es ist Sonntag und die Wochenendausflügler machen auch hier die Gegend unsicher. Trotzdem ist der alte Hafen in der Innenstadt sehr schön. Wie es hier in der Hauptsaison erst zugehen mag? "Port Camargue", einige Kilometer weiter ist mein nächstes und letztes Ziel. Ein reines Touristendorf, welches im Winter völlig ausgestorben ist. Um einem großen Jachthafen reihen sich halbkreisförmig die Hotel- und Apartmentanlagen an, teilweise mit eigenem Bootsanleger. In einiger Entfernung kann ich über das Meer schauend, die Ferienanlage "La grande Motte" sehen. Diese Eindrücke haben gereicht. Ich bin froh, dass ich wieder auf dem Rückweg nach Les Stes. Maries bin. Hier scheint der einzige noch ruhige Fleck in dieser Gegend und um diese Jahreszeit zu sein.
Flamingos
Digue à la me
Aigues Mortes
Sonnenuntergang
        Flamingos               
Wanderweg "Digue à la mer"
 Aigues Mortes
       Vogelschwarm

17. bis 19. Tag, 23.06. - 25.06. Les Stes. Maries de la mer
Da ich in diesen drei Tagen nun nicht mehr all zu viel gemacht habe, genau genommen lag ich nur noch am Strand und hab's den Fischen eingeheizt, könnte ich hier noch ein paar Worte über die Stadt und den Campingplatz erzählen. Übernachtet habe ich auf dem Campingplatz "de la Brise". Er liegt sehr günstig am östlichen Ortsrand und man hat direkten Zugang zum Meer und zum Strand. Seit 1996 oder 1997 besitzt der Platz ein einen abgetrennten Bereich mit einem Pool und einer kleinen Bar in der man auch recht gut Kleinigkeiten essen kann. Hervorragend waren z.B. die Moules mariné wahlweise mit einem Salat oder Pommes Frites. Vor allem aber entfällt endlich das lästige in die Stadt laufen um das morgendliche Baguett einzukaufen. Sehr negativ dagegen ist die Lautstärke. Hier scheint niemanden zu interessieren, dass es auch eine Nachtruhe gibt - es ist teilweise einfach höllisch laut und man muß ein sehr dickes Fell haben. Vielleicht hat sich dies ja im Laufe der vergangenen Jahre geändert aber da es schon immer so war (ich war 1980 zu ersten Mal hier), warum sollte es jetzt anders sein.
Blick von der Kirche

bei Ste. Maries
Man kommt ganz gut klar, wenn man morgens nach dem Aufstehen und Nachmittags nach der Rückkehr vom Strand jeweils der Erste in den Duschkabienen ist! Die sanitären Anlagen lassen überhaupt grüßen. Sie werden zwar mittlerweile dreimal so häufig gereinigt, sind aber trotzdem ständig "versifft". Vom Campingplatz aus in die Stadt ist es nicht all zu weit. Um Stes. Maries jedoch einigermaßen genießen zu können, sollte man die Vor- oder Nachsaison wählen, also Mai bis Mitte Juni oder September. Dann macht es richtig Spaß durch die engen Gassen zu schlendern, in einem der vielen Restaurants oder Bars in Ruhe etwas zu essen oder zu trinken. Ansonsten prägen flache und helle Häuser und Feriensiedlungen das Stadtbild. Vielleicht noch dieses: ich möchte nicht zu sehr in der Geschichte graben, weil ich hierzu dann noch zwei Seiten schreiben könnte. Jedes Jahr im Mai findet im Ort eine Zigeunerwallfahrt statt. Die Dienerin Sara, die die Zigeuner zu ihrer Heiligen erkoren haben. Das eigentliche Fest beginnt am Vorabend des 24. Mai mit einer Nachtwache in der Krypta der Kirche. Hier werden die Gebeine aufbewahrt. Der Höhepunkt folgt dann am nächsten Tag, wenn die Zigeuner zum Meer ziehen. An der Spitze des Zuges tragen einige Männer zwei Statuen auf ihren Schultern.

20. Tag, 26.06. Les Stes. Maries de la mer - Pont du Gard : 77 km
Die letzten 77 km dieser Tour sind geschafft (14.15 Uhr). Der Wettergott hat es wieder einmal gut mit mir gemeint.
Pont du Gard

Collias
Der Himmel ist bedeckt aber es ist windstill. Ab Arles ging es über die D 15 entlang des rechten Rhône-Ufers nach Beaucaire.Einen sehenswerten Blick erhascht man, wenn man sich auf der Brücke befindet, die sich über den Canal du Rhône à Sète befindet. Links und rechts befindet sich ein großer Jachthafen und einige Hausboote überqueren den Kanal. Nur noch wenige Kilometer trennen mich nun vom letzten Etappenziel, dem Pont du Gard. Das Aquädukt aus dem Jahre 19 v. Chr. überspannt den Fluß Gardon. Die Römer erbauten es, um das Wasser der Eure-Quelle von Uzès nach Nimes zu leiten. Nachdem ich nun auf einem Campingplatz nahe dem Aquädukt mein Zelt aufgeschlagen habe, lasse ich so langsam die vergangenen Wochen an mir vorüberziehen. Mein zu Beginn der Tour entstandener Eindruck ist bestehen geblieben. Es war eine ausgiebige und interessante Tour mit vielen neuen Highlights aber die Provence hat sich eben auch verändert. Aus den ehemaligen Geheimtipps sind Touristenatraktionen geworden und die wirklich ruhigen Orte muß man immer länger suchen. Ein Tag bleibt mir noch um den Urlaub in Ruhe ausklingen zu lassen bevor es gegen Mitternacht mit dem Reisebus zurück geht. Oberhalb der Stadt befindet sich das aus dem 13.-14. Jh. stammende festungsartige Schloß mit einem dreieckigem Wehrturm.

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